1. 60 Years of Rock and Heavy Metal in Syria: The 2000s
  2. 60 Jahre Rock und Heavy Metal in Syrien: Die 2000er
  3. 60 عامًا على موسيقى الروك والهيفي ميتال في سوريا: الألفية الثانية
  4. 60 Jahre Rock und Heavy Metal in Syrien: 60er – 90er
  5. 60 Years of Rock and Heavy Metal in Syria: The 60s – 90s
  6. الموسيقى الكلاسيكية المعاصرة في سوريا
  7. Contemporary Classical Music in Syria
  8. Intro- Voices of Syrian Music
  9. The Diversity of Music in Syria
  10. Music & Religion
  11. Music & Community in Syria
  12. Folk Music
  13. Jazz Lives in Syria
  14. The Sound of Dayr az-Zawr
  15. Muwashahat: A Memory from Damascus

von Hannibal Saad

Ich bin in den 80er Jahren aufgewachsen, in einer Zeit, in der Bands wie Pink Floyd, Scorpions und Deep Purple in Syrien aufblühten. Syrien hatte gerade eine kurze Periode ziviler Unruhen hinter sich, die das kulturelle Leben zwischen 1979 und 1986 fast vollständig zum Erliegen gebracht hatten. Ich stand kurz vor dem Schulabschluss, wollte bald mit dem Studium beginnen und verbrachte meine Tage in Läden wie Haro oder Dawn, kleinen Kassettenläden in Damaskus, die Rock- und Jazzkassetten verkauften. Ich wollte unbedingt Musik spielen und suchte nach anderen Musikern, denen ich mich anschließen konnte. Ich hatte keine Ahnung, dass es zu diesem Zeitpunkt in Syrien bereits eine richtige Rockszene gegeben hatte. Ich kannte nur die beiden berühmten syrischen Rockbands Rockestra und Invaders, von denen ich dachte, dass sie die einzigen waren, die es vor uns gegeben hatte. Aber als ich in die Szene kam und anfing, mit meiner ersten Band Konzerte zu spielen, erzählten uns die Leute erstaunlichen Geschichten über Rockbands in Syrien, die schon in den 60er Jahren entstanden waren.

Ich fragte mich, warum ich noch nie von diesen Bands gehört hatte, und begann, die Geschichte der Rockmusik in Syrien zu erforschen – ein Thema, das bis heute nicht sehr gut erforscht ist. Meine Nachforschungen konzentrierten sich hauptsächlich auf Damaskus, obwohl auch andere Städte eine lebendige Szene hatten, die es noch aufzudecken gilt. Auf meiner Reise wurde ich von Menschen wie Hani al-Dajani inspiriert, einem Übersetzer, der in seinen Notizbüchern leidenschaftlich Texte von alten Musikkassetten dokumentiert hatte. Manchmal denke ich, dass wir diese besondere Hingabe und diese unmittelbare Erfahrung durch die Cyberwelt, in der wir leben, verloren haben. Diese unbekannten Teil unserer Geschichte und die damit verwobenen Erzählungen faszinieren mich bis heute.

Die 60er und 70er: Ein großartiger Anfang

Die Rockmusikszene in Syrien geht mindestens bis 1961 zurück und kann nur als eine sehr lebendige, dichte und energiebeladene Szene beschrieben werden. Wie bei vielen anderen Musikgenres, die in Syrien Einzug hielten, spielten Musikläden eine wichtige Rolle bei den Anfängen. Bereits in den 60ern gab es zwei Plattenläden namens Sardarian und Shaheen in Damaskus. Die Kassettenläden Haro (1972) und Dawn (1974) eröffneten später, gefolgt von Eido, Leido und Hawasly, und in Aleppo boomte der Laden Shadows mit seinen Verkäufen. Den Kassettenladen Dawn von Mazen Laham gibt es noch immer und er verkauft bis heute Kassetten. Ein Besuch in seinem Laden wird Sie Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückversetzen.

In gewisser Weise begann alles mit dem Verkauf von Rockmusikkassetten, die seit den frühen 60ern aufgezeichnet wurden, und dann bildeten sich Musikgruppen, die diese Musik spielten. Einige dieser frühen Bands waren The Cats und die Tigers unter der Leitung des Schlagzeugers Johnny Komovich und dem Keyboardspieler Vahe Demirjian. Mir sind etwa zehn Rockbands bekannt, die von 1970 bis 1980 – als die Unruhen in Syrien begannen – in Damaskus ununterbrochen Musik machten. Die meisten von ihnen waren Coverbands wie die Band The Underground, die Lieder von Uriah Heep, Deep Purple, Beatles, Pink Floyd oder King Crimson usw. spielten. Ähnlich war es in Aleppo und anderswo im Lande.

60 Jahre Rock und Heavy Metal in Syrien: 60er - 90er
Die Band The Fireball © Fahid Lababidi
60 Jahre Rock und Heavy Metal in Syrien: 60er - 90er
Die Band The Underground © Ghassan Al-Yamani

60 Jahre Rock und Heavy Metal in Syrien: 60er - 90er
Vahan Shakarian in 1965 © Ara Souvalian
60 Jahre Rock und Heavy Metal in Syrien: 60er - 90er
Aziz Alkhani, Riad und Abboud Flaifel, Faisal al-Nahas © Ara Souvalian

Die Art der Musik, die von diesen Bands gespielt wurde, hing in der Regel von dem Publikum ab, das sie sich ausgesucht hatten. Rockbands, die in öffentlichen Räumen wie Restaurants und Nachtclubs des Meridian- oder Sheraton-Hotels, des El Sham Hotels, sowie den Clubs Orient, Vandom oder Casa, änderten ihre Musik in der Regel in sanftere Klänge, die dem Ambiente des Ortes entsprachen. Einige dieser Bands waren die Tigers, die Spiders, Magic Fingers sowie The Fireball, die nach einem Deep Purple-Album benannt war. Aber natürlich gab es noch viel mehr aktive Bands. In dieser Zeit war es sehr üblich, dass Rockbands Uniformen trugen.

Und doch waren die Zeiten für Rockmusiker in den 70er Jahren schwierig, vor allem als das Land Ende der 70er Jahre erneut politische Spannungen erlebte. Die anhaltenden Unruhen hatten enorme Auswirkungen auf das tägliche Leben. Von 1979 bis 1986 kam das kulturelle Leben fast völlig zum Erliegen. Clubs, Restaurants und Hotels, in denen früher westliche Musik vor den Augen von ganzen Familien gespielt wurde, wurden ab 1979 immer weniger und verloren aufgrund der mangelnden Sicherheit ihr Publikum. Ehemals wohlhabende Bands hatten plötzlich weniger Arbeit. Viele Bands wurden für ein einziges Konzert gegründet, um sich kurz darauf wieder aufzulösen. Als sich dann die Situation in Syrien endlich zu normalisieren begannen, hatte sich die gesamte weltweite und lokale Musikszene drastisch verändert. Selbst die Rockmusik hatte sich verändert, und nur wenige Bands wie die Tigers überlebten.

| Die glorreichen 80er

Im Jahre 1984 begann dann eine Band am Lycée-Gymnasium vor einem begeisterten Publikum bekannte Rocksongs zu spielen: Rockestra war geboren und wurde von Gitarrist Bassel, Zreik, Sänger Talal Karkutli und Freunden geleitet. Die Band konnte sich nicht nur eine sehr aktive Fangemeinde aufbauen, sondern schaffte es auch, mehrmals im nationalen Fernsehen aufzutreten. (-> Sehen Sie altes Filmmaterial der Band Rockestra auf Youtube hier)

Es folgte eine weitere Band wie die Invaders, die von Sänger Bassel Haj Youssef, Gitarrist Mazen Arafat, Schlagzeuger Rafi Markarian und anderen gegründet wurde und vor allem in Damaskus bekannt war, wo sie mehrere Konzerte gab.

60 Jahre Rock und Heavy Metal in Syrien: 60er - 90er
The Syrian Rock band "The Invaders" in 1987

Bild links: The Invaders in 1986 © Bassel Youssef / Bild rechts: The Invaders in 1987 © Mazen Arafat

Viele andere Bands, die in dieser Zeit gegründet wurden, lösten sich kurz nach ihren ersten Konzerten auf, wie z.B. White Lead und Prism. Zur gleichen Zeit entwickelten sich mehrere öffentliche Räume, die zu wichtigen Bühnen für Rockmusiker wurden, wie das Russische und das Französische Kulturzentrum, das Goethe-Institut sowie die Theater Zahra und Hamra.

The Journey

1987 traten der Sänger Bassel Haj Youssef, Gitarrist Monzer Kebbeh, Keyboarder Ammar Alani, Schlagzeuger Kinan Berouti, und der Bassist Bassel Khalil in meine Band The Journey ein, die ich 1986 gegründet hatteein Jahr zuvor gegründet hatte und der sich später weitere Mitglieder anschlossen. In den ersten sechs Jahren gaben wir mehr als 35 Konzerte und traten auch in mehreren Fernsehsendungen auf. Es war eine Zeit, in der sich die allgemeine Stimmung gegenüber Rockmusik veränderte und mehr Bands öffentlich auftraten. Als ich 1993 in die USA auswanderte, gründete sich Journey als Marmar Band neu. Marmar war vor besonders dafür bekannt, dass sie in Damaskus in einer sehr angesagten Kneipe spielten, deren Name in den 80er Jahren zum angesagten Treffpunkt für Rockmusiker wurde.

| Die 90er Jahre und die Geburt des Heavy Metals in Syrien

Anfang der neunziger Jahre gab es in Aleppo und Damaskus mindestens 15 Rockbands mit einem festen Publikum, die eher progressiven Rock spielten. Vor allem aber hielt der Heavy Metal Einzug in die Szene. Bands wie Bloody Heaven starteten Ende 1980, gefolgt von Krokers, Sudden Death und der Band Urgent. Außerdem wurde eine wunderbare Band namens Nameless von dem talentierten Gitarristen Akram Maksoud, Ibrahim Soulaymani und ihren Freunden gegründet.

Kulna Sawa – Nezlen Ala El Boustan

Kulna Sawa

1995 tauchte eine Band namens Kulna Sawa auf, die zu einer der erfolgreichsten arabischsprachigen syrischen Rockbands in der arabischen Welt werden sollte. Die Band (deren Name „wir alle zusammen“ bedeutet) begann mit der Neuarrangierung verschiedener traditioneller Lieder, komponierte aber später auch eigene Songs. Ihre Hingabe zur arabischen Sprache war der Schlüssel zu ihrem Erfolg und geht auf den großen Einsatz von Frontmann Iyad Rimawi zurück, der die Band davon überzeugte, bei ihrer Muttersprache zu bleiben. Rimawi wurde in Damaskus ein erfolgreicher Songwriter für Fernsehserien und Filme. Seine Lieder sind in der arabischen Welt sehr bekannt.

Ab Mitte der neunziger Jahre traten immer mehr Heavy-Metal-Bands auf, inspiriert von Bands wie Metallica aus Deutschland und Iron Maiden aus dem Vereinigten Königreich. Das Publikum dieser Bands gehörte zumeist der Mittelschicht an. Sie hatten in Syrien wenig Hoffnung und fanden in der Musik eine m Flucht zu dem, was für sie „Weltkultur“ war. Viele von ihnen hofften, eines Tages in den Westen fliehen zu können.

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Feature Image: © Ghassan Al-Yamani

* Die Rock- und Heavy-Metal-Landschaft in Syrien ist enorm groß geworden. Viele Musiker arbeiteten in verschiedenen Bands, die es verdienen, in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden: Nouri Haydar, Kinaz Nahhas, der jordanische Musiker Hassan Fanni, Bassam Hamwi, Talal Abou Radwan, Haitham Hamwi, Ghassan Al Yamani, Bassam Arab Oughly, Maha Al Jabiri, Bashar Bitar, Ara Souvalian, Youssef Hammal, Ayman Fahham, Riad Ateeq, Munir Lababidi, Ziad Khluki, Faysal Al Nahas, Raeef Shukri und viele andere. Auch internationale Musiker wie der Italiener Enrico Roma und der Grieche Dimitri Khristo waren Teil der Szene.

Weitere Informationen über Rock in Syrien ab den 60er Jahren finden Sie in der Facebook-Gruppe الغربية في سوريا und im Facebook-Blog von Ara Sovalian, die beide gegründet wurden, um den vielen Musikern, die hier nicht erwähnt werden konnten, die verdiente Anerkennung und Respekt zu geben.


 

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