1. صناعة الحرير بأيد عائلة دمشقية
  2. Eine Damaszener Seidenherstellerfamilie
  3. A Family of Damascene Silk Manufacturer
  4. The Art of Syrian Textile Production
  5. A Felt Carpet from al-Bab
  6. The Threads of Life: Syrian Textile Ornamentation
  7. Hidden Figures: The Women Behind the Beautiful Craft of Aghabani
  8. The Ink that Lasts Forever: Textile Printing in Syria
  9. From Animals and Plants: Textile Raw Materials
  10. A Peek into Syria’s Sericulture World
  11. Insights into Syria’s Centuries-Old Silk Craft
  12. What Remains of the Silk Road?
  13. People of the Desert: Bedouin Clothing
  14. Carpets from Raqqa: A Memory
  15. Traditional Textiles: An Endangered Tradition
  16. Unforgotten: The Fragrance of Memories

von Florence Ollivry

Entrance door of the textile factory of the Mezannar family
Eingangstür der Textilfabrik der Mezannar family –
| Florence Ollivry (CC-BY-NC-SA)

Auf dem Giebel eines riesigen Gebäudes neben dem Osttor (Bab Sharqi) konnte man lesen: „Antoun Elias Mezannar Textilfabrik, gegründet im Jahr 1890“ (Mʿamal nasij, Antoun Elias Mezannar, taʿssasa sanat 1890). An diesem Ort verdichtet sich ein Jahrhundert der Geschichte der Seidenweberei von Damaskus.

Antouns Vater war Weber von Badetüchern (manshafa) aus Seide und Baumwolle, die er auf handbetriebenen Webstühlen herstellte. 1870 webten in Syrien 20.000 Handwerker Seide auf nicht-mechanischen, hölzernen Webstühlen. Doch schon einige Zeit später wurde Antoun Mezannar zu einer führenden Figur bei der Modernisierung der Webtechnik in Syrien und innerhalb von 20 Jahren machte er seine Werkstatt zur größten Seidenfabrik des Landes.

Von 1840 bis 1860 wurden die osmanischen Provinzen der Levante von sozialen Unruhen erschüttert die auf Damaskus übergriffen, wo im Juli 1860 das christliche Viertel geplündert, niedergebrannt und viele Webstühle zerstört wurden. Diese Unruhen dienten als Vorwand für eine französische Militärintervention. Die zunehmende Intensität des Handels zwischen Seidenhändlern im französischen Lyon und der Levante sowie das strategische Interesse ihrer Kontrolle über die syrische Seidenindustrie motivierten sie ab 1860, Druck auf die französische Regierung auszuüben, um die beiden Mandate Frankreichs in der Levante zu erhalten. Die Kontrolle der Lyonnaiser über die levantinische Seidenkultur war so groß, dass 90 Prozent der in Syrien und im Libanon produzierten Seiden zu diesem Zeitpunkt nach Frankreich gingen. Um diesen Handel zu erleichtern, bauten französische Unternehmen eine Straße und eine Eisenbahnlinie zwischen Beirut und Damaskus.

Lyon war damals die französische Seidenhauptstadt. Dort hatte auch Joseph-Marie Jacquard (gestorben 1834) seinen berühmten programmierbaren mechanischen Webstuhl erfunden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte Antoun Mezannar mechanische Webstühle mit Elektromotoren von Lyon nach Damaskus und wurde einer der ersten Stromverbraucher in Damaskus.

Hubert Mouzannar, son of Antoine Elias Mezannar. In the background is the certificate of a gold medal, the family won in 1936 on Damascus International Fair
Hubert Mezannar, Sohn von Antoun Elias Mezannar. Im Hintergrund ist an der Wand die Goldmedaille zu sehen, die seine Familie 1936 auf der internationalen Messe in Damaskus gewann – | Florence Ollivry (CC-BY-NC-SA)

| Hubert Mezannar

Sein jüngster Sohn, Hubert, studierte vier Jahre lang an der École Supérieure des Industries Textiles in Lyon. Er kam mit einer soliden Ausbildung zurück. Zusammen mit seinem älteren Bruder Marcel bauten sie auf dem Erbe des Vaters auf und spezialisierten sich auf die Herstellung von Brokat. Bald entwickelte sich in Damaskus ein internationaler Wettbewerb. Die Familie Mezannar machte Geschäfte mit der Schweizer Firma Rüti, die sie mit Hochleistungswebmaschinen belieferte. Der Züricher Zeichner Kaiser fertigte Skizzen und Karten für sie an. 1936 erlebte die Familie Mezannar den Höhepunkt ihres Ruhms, als sie auf der Messe in Damaskus mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde. 

| Modernisierung der Textilindustrie in Damaskus

Die Modernisierung der Webstühle führte zur Entwicklung und zum Erwerb von neuem Know-how. In Damaskus waren die ersten Patronenzeichner zwei armenische Brüder: Dikran und Yervant Stepanian – letzterer lebt noch. Nachdem sie vor den Massakern in Diyarbakır in der Südtürkei geflohen waren und auf der Insel Zypern Zuflucht gesucht hatten, gingen sie nach Beirut, wo sie bei ihrem Onkel Hagob, der für die Lyonnaiser arbeitete, das Handwerk des Patronenzeichnens erlernten. Bei diesem werden gewünschte Muster milimetergenau in eine Zeichnung übertragen, um auf dieser Grundlage die Lochkarten für Jacquard-Webstühle herzustellen. Als die beiden Brüder 1937 in Damaskus ankamen, wurden sie von den Webern der Stadt freudig aufgenommen. Sie besaßen ein wertvolles Know-how. Die Fabrik Mezannar gehörte zu ihren ersten Kunden.


Eine Damaszener Seidenherstellerfamilie
Brokattasche mit dem ursprünglichen „Elizabeth-Muster“ aus der heutigen Produktionsstätte von Tony Mezannar | © Tony Mezannar

1947 beauftragte Präsident Shukri al-Quwatli die Gebrüder Mezannar, einen originellen Entwurf für die Hochzeit der Prinzessin und damaligen Königin Elisabeth II. von England, mit Philip Mountbatten zu liefern. Yervant und sein Bruder entwarfen die „Untrennbare“ (ʿashiq wa maʿshuq) – 200 m weißer, golddurchwirkter Seidenbrokat wurden der Königin geschenkt. Die Geschichte dieses Geschenks ging durch die Stadt und bis heute trägt dieser Brokat, wenn er in den Suqs verkauft wird, den Namen „Elizabeth“. 

Eine Damaszener Seidenherstellerfamilie
Originalzeichnung von Yervant Stepanian des Elizabeth-Musters, um daraus die Lochkarten zu stanzen | Patronenzeichnung: © Yervant Stepanian
Ein Jacquard-Webstuhl in der Textilfabrik der Familie Mezannar in Damaskus
Ein Jacquard-Webstuhl in der Textilfabrik der Familie Mezannar in Damaskus | Florence Ollivry (CC-BY-NC-SA)

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Mezannar-Webstühle mobilisiert, um Seidentuch für britische Fallschirme zu weben. 1942 war die Nachfrage nach Seidentuch so groß, dass 410 Tonnen zusätzliche Kokons importiert werden mussten, um in Syrien und Libanon gesponnen zu werden. 

Die Mezannar-Fabrik ist Teil der langen Geschichte der Seide in Syrien. Im zwanzigsten Jahrhundert durchlief sie viele Veränderungen im Zusammenhang mit Kolonisierung, Globalisierung, Mechanisierung, etc. Während die Seide und ihre Weber Syrer waren, hörten die Werkzeuge auf, dies zu sein. Den syrischen Handwerkern gelang es dennoch, den Stoffen die Spuren ihrer Kultur einzuprägen. 

Bis heute bewahrt die Familie Mezannar zwei Kataloge aus dem Victoria & Albert Museum in London auf: A Brief Guide to Persian Woven Fabrics (Kurzer Führer zu den persischen Geweben, 1922) und A Brief Guide to the Turkish Fabrics (Kurzer Führer zu den türkischen Geweben, 1923). Diese Dessins orientalischer Stoffe, die ursprünglich in Zentralasien, Persien, dem Osmanischen Reich und Andalusien gewebt wurden, in orientalischen Sammlungen oder in bestimmten Textilmuseen in Europa aufbewahrt und in Katalogen und Spezialwerken fotografiert wurden, erreichten Damaskus: Antoun Mezannar, ein syrischer Weber und internationaler Geschäftsmann, ließ sich von diesen Sammlungen orientalischer Seide inspirieren. Er wählte die Zeichnungen aus, die ihm am besten geeignet schienen, seine Kultur auszudrücken, und ließ sie von einer ganzen Kette von Handwerkern anfertigen. Diese Dessins spiegeln in gewisser Weise die lange Geschichte des globalisierten Austauschs, eine Wiederaneignung des Ostens durch den Osten.

| Galerie der Mezannar-Fabrik in Damaskus

In den 1960er Jahren verstaatlichte die arabische sozialistische Baʿath-Partei die Privatunternehmen. Die großen Familien, die mit dem Textilsektor verbunden sind, sahen sich im ganzen Land geschwächt. Anfang der 2000er Jahre wurde die Familie Mezannar darüber informiert, dass sie vom Staat enteignet werden sollte. Nach einem qualvollen Warten, das in taubem und bitterem Zorn verlief, musste die Familie Mezannar im Juli 2010 hilflos zusehen, wie große Teile der Fabrik zerstört wurden. Dennoch konnte ein Teil der Webstühle gerettet werden, so dass Tony Mezannar die Familientradition der Seidenbrokatweberei bis heute weiterführt.

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