1. ‘Ajami oder Damaszener Malerei: Auf den Spuren eines traditionellen Handwerks in Syrien
  2. ‘Ajami von A to Z
  3. Restaurierung von ‘Ajami – Herausforderungen und faszinierende Entdeckungen
  4. Die Großmeister des ‘Ajami-Handwerks
  5. Der Weg zum ‘Ajami-Künstler: Im Gespräch mit Mohammad Haj Qab
  6. Zwischen Tradition und Innovation: Im Gespräch mit Aliya Alnuaimi
  7. Die Geheimnisse der Alten Meister
  8. Die Seele des ‘Ajami: Interview mit Ziad Baydoun
  9. Das Aleppozimmer…ganz persönlich
  10. ʿAjami in Aleppo: Eine Geschichte über reisende Motive
  11. Beit Ghazaleh: Das Haus meiner Urgroßeltern

von Elisabeth Korinth

Mit ruhiger Hand trägt Abdulraouf Baydoun eine dickflüssige Masse in die vorgezeichneten Muster einer bearbeiteten Holzplatte. In wenigen Tagen wird dieses Muster zu einer prachtvollen und farbenfrohen Deckendekoration, inspiriert durch ein einst sehr bekanntes und anspruchsvolles Handwerk namens Khashabiyyat madhuwna (bemalte Holzpaneele), Damaszener Malerei oder einfach ‘Ajami.

‘Ajami ist eine dekorative Art der Innengestaltung in Syrien und beschreibt sowohl die Technik des Auftragens einer Masse, um bestimmte Darstellungen eines Bildes plastisch hervorzuheben, als auch die eigentlichen Ornamente und einen Raum, der mit dekorierten Wandpaneelen ausgekleidet ist. ‘Ajami zählt heute zu den bekanntesten syrischen Handwerkstechniken. Die prunkvolle Verzierung entsteht durch das Auftragen mehrerer Schichten und der Kombination verschiedener Materialien. Die Wechselwirkung zwischen matten und glänzenden Elementen und das Zusammenspiel von Licht und Schatten verleihen den historischen Räumen ihren einzigartigen Charakter.

‘Ajami oder Damaszener Malerei: Auf den Spuren eines traditionellen Handwerks in Syrien
Inneneinrichtung eines traditionellen Damaszener Hauses mit ‘Ajami-Verzierung (© The Metropolitan Museum of Art, Foto: Bryan Whitney)

Die Geschichte des Handwerks geht mindestens zurück bis zur Mamlukenzeit (13./14. Jahrhundert). Laut Prof. Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, könnte es sogar bis zur Zeit der Fatiminiden zurückgehen. Im Laufe der Zeit wurde das Handwerk von verschiedenen Regionen beeinflusst. In der osmanischen Zeit erlebte das ‘Ajami-Handwerk einen seiner Höhepunkte, der durch eine Mischung aus arabischen, persischen, europäischen, indischen und türkischen Elementen geprägt ist. In dieser Zeit entwickelte sich die Kunst des ‘Ajami zu einem hochentwickelten und angesehenen Handwerk in Syrien. Als integraler Bestandteil syrischer traditioneller Häuser der Oberschicht in der osmanischen Zeit finden sich viele Zimmer aus dieser Zeit, die mit ‘Ajami dekoriert sind. In den folgenden Jahrhunderten entstanden in Syrien mehrere Familienunternehmen, die sich in diesem Handwerk professionalisierten und ihr Wissen von Generation zu Generation weitergaben. Seitdem hat sich das Handwerk weiterentwickelt und wird bis heute von einer Reihe von Werkstätten praktiziert, wenn auch die Arbeitstechniken sich signifikant geändert haben. Die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte haben jedoch zu einem starken Rückgang in der Nachfrage dieser Kunst geführt und sie droht, in Vergessenheit zu geraten.

| Die Bedeutung des Wortes ‘Ajami

Der Begriff ‘Ajami taucht in schriftlichen Quellen ab dem 18. Jahrhundert auf und bezieht sich auf die Innenausstattung von Gebäuden. Das Wort bedeutet übersetzt „ausländisch“ bzw. „Nicht-Arabisch“ und bezieht sich auf die persischen Wurzeln vieler Motive, die für die Dekoration der wunderschönen Innenräume verwendet wurde. Eine genaue Definition und Bezeichnung für dieses Handwerk wurde jedoch bisher nicht offiziell festgelegt, sodass mit dieser Kunst viele Kontroversen einhergehen und weiterhin verschiedene Name für dieses Handwerk kursieren. Für den Künstler Mohammad Haj Qab passt der Begriff ‘Ajami perfekt: “Das Wort ‘Ajami wurde mit allem in Verbindung gebracht, was aus Persien kam. Der Name passt für dieses Gewerbe, da die dekorativen Elemente nicht vorgegeben sind oder auf einem strengen dekorativen Prinzip beruhen. Wir verwenden Motive und Blumen aus dem Osten und dem Westen, Techniken aus dem Norden und dem Süden.“ Ein anderer häufig verwendeter und vielleicht passenderer Begriff ist das arabische Wort Khashabiyat madhuwna, was „bemalte Holzwandtafel“ bedeutet und das Produkt des Handwerks meint. Andere nennen es Damaszener Malerei mit der persönlichen Überzeugung, dass die Stadt Damaskus das Zentrum und Ursprungsort dieses Handwerks ist. Wo genau es herkam und wann kann jedoch nicht wissenschaftlich bestätigt werden, da ‘Ajami-Objekte aus dem 17. Jahrhundert oder früher äußerst selten noch zu finden sind.


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