von Dima Dayoub

Mohammad Haj Qab ist ein erfahrener Handwerker aus Damaskus. Er arbeitet mit ‘Ajami und macht Schulungen für Interessierte in seinem Atelier. In unserem Interview teilt er seine persönlichen Geschichte mit dem Handwerk und dessen Geheimnisse, und berichtet von der jetzigen Situation in Damaskus.

Der Weg zum ‘Ajami-Künstler: Im Gespräch mit Mohammad Haj Qab

Mohammad Haj Qab arbeitet an einem Kalligrafie-Relief in 1995 (© Mohammad Haj Qab, CC-BY-NC-ND)

Mohammad, was ist deine persönliche Geschichte mit dem ‘Ajami-Handwerk? Wann hast du angefangen, dieses Handwerk zu lernen?

Alles begann mit meiner Liebe zur Kalligraphie, als ich fünf Jahre alt war. Wir hatten zu Hause ein kleines Gemälde mit einer arabischen Schrift. Ich habe immer versucht, es zu kopieren, bevor ich überhaupt das Schreiben gelernt habe. Unsere Grundschule war ein altes traditionelles arabisches Haus mit einem offenen Innenhof und verzierten Decken. Seit meiner Kindheit habe ich mir die Kalligrafien und Dekorationen angesehen und mir gewünscht, dass ich eines Tages etwas Ähnliches machen könnte. Als ich in der vierten Klasse war, suchten meine Eltern nach einem Ort, an dem ich mein Talent verbessern und meine Sommerferien damit verbringen konnte, etwas Nützliches zu tun. Aber es gab kein Institut, an dem ich Kalligraphie lernen konnte.

Ich lebte jedoch in der Altstadt von Damaskus in al-Aqiba, einer beliebten Gegend mit alten Straßen. Neben uns gab es eine Werkstatt von jemanden, der an ‘Ajami arbeitete. Ich dachte, er sei ein Kalligraph, da ich den Unterschied zwischen Kalligraphie und ‘Ajami bis dahin nicht kannte. Als ich 16 war, bat meine Mutter diese Person, mich nach der Schule in seinem Geschäft zu lassen. Während meiner Arbeit dort dokumentierte ich alle Arbeitsschritte. Jeden Donnerstag bat ich den Besitzer darum, die übrig gebliebenen Farben mit nach Hause zu nehmen, um mich besser darin zu üben, sie zu benutzen. Ich startete mit einfachen Zeichnungen und Dekorationen und schrieb Verse oder koranische Wörter und meinen Namen in großer Schrift als eine Art Unterschrift. Ich ging jeden Sommer in die Werkstatt, bis ich im professionellen Bereich bekannt wurde und Leute aus anderen Werkstätten kamen, die mich baten, ihnen bei ihrer Arbeit zu helfen. Dadurch lernte ich die Arbeitstechniken der verschiedenen Werkstätten in Damaskus kennen.

Der Weg zum ‘Ajami-Künstler: Im Gespräch mit Mohammad Haj Qab

Mohammad Haj Qab in einer Werkstatt in Damaskus in 1996 (© Mohammad Haj Qab, CC-BY-NC-ND)

Wie ist die jetzige Situation des Handwerks in Damaskus? Welche Art von Produkten werden gekauft?

‘Ajami gilt als Luxusprodukt. Aufgrund der gegenwärtigen Situation in Syrien haben wir drei Jahre lang unsere Arbeit einstellen müssen. Die meisten Produkte werden nach Dubai und in die Vereinigten Arabischen Emirate exportiert, manchmal auch nach Saudi-Arabien, Katar, Libanon und Algerien. Hauptsächlich handelt es sich bei diesen Produkten um traditionelle arabische Sitzmöbel (Madhafa Arabia), Teile von Wänden und Decken, Möbel und koranische Gemälde.

Es gibt nicht mehr viele Handwerker, die derzeit mit ‘Ajami in Damaskus arbeiten. Wir leiden unter der Tatsache, dass die nächste Generation nicht daran interessiert ist, diesen Beruf zu erlernen, weil sich ihr Interesse mehr auf Technologie konzentriert. Darüber hinaus sind die Löhne, die für die Ausbildung oder Arbeit in diesem Beruf gezahlt werden, im Vergleich zu anderen Berufen, wie zum Beispiel für Verkäufer, eher gering. Ein weiteres Problem ist, dass wir keine Erfahrung in der Restaurierung haben. Wir sind nicht mit den Prozessen der Restaurierung von ‘Ajami -Werken vertraut und verwenden moderne Farben und Techniken. Wir brauchen eine Schulung durch Experten, wie beispielsweise Dr. Anke Scharrahs, die die historischen ‘Ajami -Werke und die Zusammensetzung der natürlichen Materialien in den Farben studiert hat. Dieses Wissen ist unerlässlich, um diese Materialien wieder herstellen zu können.

Um das Handwerk zu beherrschen, muss man eine Vielzahl von Fähigkeiten üben. Einige von ihnen werden als Geschäftsgeheimnisse gehütet, wie beispielsweise die Herstellung der Reliefpaste. Wie haben Sie diese Geheimnisse erfahren?

Ich konnte schon in jungen Jahren lernen und habe die Dinge schnell erfasst. Ich beobachtete, wie man den Pinsel hält und ihn bewegt, bis ich es beherrschte. Dann fing ich an, meinem Meister bei der Arbeit zu helfen, obwohl ich noch jung war. Was die Geheimnisse des Berufs angeht, ist es wirklich schwierig, sie anderen zu verraten, zumal es lange und mühsam gedauert hat, sie zu sammeln.

Der Weg zum ‘Ajami-Künstler: Im Gespräch mit Mohammad Haj Qab

Mohammad Haj Qab arbeitet an einem Gewölbe für die syrische Botschaft in Bonn (Germany) in 1992 (© Mohammad Haj Qab, CC-BY-NC-ND)

Ein Beispiel ist die Bearbeitung der natürlichen Rotleimpaste. Rotleim ist eine organische Substanz aus Rindsleder. Es erstarrt im Winter. Einmal sah ich einen Experten, der mit demselben Material arbeitete, ohne dass es hart wurde. Als ich ihn bat, mir sein Geheimnis zu erklären, gab er es nicht preis. Eines Tages sprach ich mit einem Freund über das Thema, der Chemiker ist. Er erklärte, um das Einfrieren der Substanzen zu verhindern, müsse ein wenig Salz hinzugefügt werden. Also ging ich nach Hause, um es zu versuchen und es funktionierte. Der rote arabische Kleber ist die einzige lokale Substanz, die wir aufgrund der Anwesenheit von Rindern im Land verwenden. Wenn ich ins Ausland reise, nehme ich den roten Kleber mit, da er normalerweise an keinem anderen Ort erhältlich ist.

Ein weiteres Beispiel ist das Rätsel, Acrylfarben, die auf Wasser basieren, mit Ölfarben zu mischen. Wasser und Öl sind in der Regel nicht mischbar. Wenn Sie es jedoch mit etwas Flüssigseife mischen, funktioniert es. Ich lernte dies, als ich an einer Kalligraphie arbeitete und versuchte, Acrylfarbe auf Ölpapier aufzutragen.

Der Weg zum ‘Ajami-Künstler: Im Gespräch mit Mohammad Haj Qab

Traditionelle Herstellung von Tierleim (© Mohammad Haj Qab, CC-BY-NC-ND)

Sollten die Geheimnisse des Handwerks mit allen geteilt werden sollten?

Die Geheimnisse des Handwerks zu wahren hat nichts mit Selbstsucht zu tun. Es hat lange gedauert, diesen Beruf zu meistern und weiterzuentwickeln. Normalerweise tauschen die alten Meister ihre Handwerkstricks untereinander aus, aber nicht unter den Neuankömmlingen. Aufgrund der Lage meines Ateliers im alten Damaskus erhalte ich oft Anfragen, einen Schulungsworkshop zu ‘Ajami durchzuführen. Ich mache das gerne, aber ich werde zum Beispiel nicht spezifischen Details über die Mischung der Reliefpaste preisgeben. Ich kann die Mischung jedoch gerne kostenlos zubereiten. Es ist nicht nur ein Geheimnis meines Berufs, es ist mein Leben und das steht nicht zum Verkauf.

Besuchen Sie die Facebook -Seite von Mohammad Haj Qab, um mehr über seine Arbeit zu erfahren.


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