Neues Map Tool zeigt Spuren der kulturellen Zerstörung

Neues Map Tool zeigt Spuren der kulturellen Zerstörung

Newsweek Europe vom 24.01.2016 – Autorin: Lucy Westcott – Eine neue Karte von der ‚Antiquities Coalition‘ zeigt die Zerstörung der kulturellen und historischen Kulturerbestätten des Mittleren Ostens und Afrikas und stellt die Denkmäler dar, die noch von den bewaffneten extremistischen Gruppierungen in dieser Region gefährdet werden.

Die ‚Culture Under Threat Map‘ wurde von der in Washington, D.C. ansässigen ‚Antiquities Coalition‘ Tage nach der Nachricht eingerichtet, als Iraks ältestes christliches Kloster St. Elijah von militanten Gruppen des Islamischen Staates (IS) zerstört wurde.

Das Kloster ist die jüngste Zerstörung dieser Gruppe: Im vergangenen Jahr plünderte und planierte der IS die antiken assyrischen Städte Nimrud und Khorsabad sowie den Tempel von Bel, ein Schlüsselbauwerk in der IS-kontrollierten Stadt Palmyra in Syrien.

Die Planung für die Karte begann vor etwa zwei Jahren und seither hat es eine deutliche Zunahme der Zerstörung von Kulturerbestätten gegeben, sagt Deborah Lehr, Vorsitzende und Gründerin der ‚Antiquities Coalition‘.
„Wir reden viel über die Zerstörung des Kulturerbes, aber es sind die visuellen Aspekte, die die Aufmerksamkeit der Menschen einfangen“, sagt Lehr zu Newsweek. „Es zeigt den Umfang dessen, was los ist.“
Die Karte weist verschiedene Layers auf, die unter Bedrohung oder Kontrolle militanter Gruppen stehen; Kulturgüter, die zielgerichtet angegriffen oder zerstört wurden; Museen und Orte der UNESCO-Welterbestätten. Syrien – seit fünf Jahre im Bürgerkrieg – und der Irak sind die am stärksten betroffenen Länder, die mit roten Kreisen jeweils zerstörte und gefährdete Orte darstellen, die sich auf der Karte übeschneiden.

Die Karte enthält fast 700 Kulturerbestätten in 22 Ländern, darunter 230, die zerstört oder beschädigt wurden. Die ‚Antiquities Coalition‘ verwendete nur öffentlich zugängliche Daten, da sie „keine Karte erstellen wollte, die extremistische Gruppen zu archäologischen Stätten führt , sagt Katie Paul, Stabschefin der ‚Antiquities Coalition‘.

Kulturerbestätten in Libyen und Jemen sind entsprechend der Karte ebenfalls in Gefahr. In Ländern wie Libyen, wo britische Kriegsgräber in der Nähe von Benghasi von islamischen Extremisten im Jahr 2012 zerstört wurden sowie Tunesien, fand ein Großteil der Zerstörung vor dem Aufstieg des IS statt, sagt Paul.
„[Im Jemen] ist es ein wenig kompliziert, die Zerstörung durch Terrorismus mit der Zerstörung durch den Krieg zu unterscheiden“, sagt Paul. Eine katholische Kirche in Aden, Südjemen, wurde von unbekannten „maskierten Männern“ im September 2015 zerstört.
Die Karte wird entsprechend den Orten historischer und kultureller Bedeutung, die weiterhin zielgerichtet beschädigt und zerstört werden, aktualisiert. Aber mit einer Schätzungen von drei bis fünf Millionen archäologischen Stätten im gesamten Nahen Osten und Nordafrika, so ein Projekt der University of Oxford, könnte es eine nie endende Aufgabe sein.
„Die gesamte Region ist eine archäologische Stätte“, sagt Tess Davis, Geschäftsführer der ‚Antiquities Coalition‘.