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von Dr. Anke Scharrahs

‘Ajami-Dekorationen wurden einst geschaffen, um die wichtigsten Räume syrischer Häuser zu verzieren: die Empfangsräume für Gäste. Die bemalten und vergoldeten Holztafeln weisen aufgrund ihrer komplexen Materialkombinationen oft unterschiedlichste Schäden und Alterungsphänomene auf. Die erhabenen Gipspastenornamente, die Vergoldungen, die Farbschichten und Lacke altern unterschiedlich und reagieren jeweils anders auf Klimaveränderungen. Darüber hinaus wurden die aufwendig geschmückten Räume oft verändert und der neuesten Mode sowie dem besonderen Geschmack und den Bedürfnissen der Familien angepasst. Daher finden sich in diesen Räumen oft viele Schichten und Stadien der Dekorationen und Anpassungen. Es ist deshalb entscheidend, dass Restauratoren die komplexen Bedingungen jedes einzelnen Interieurs verstehen, bevor sie mit der Restaurierung beginnen.

In der zweiten Hälfte des 19.. Jahrhunderts kamen Ajami-Dekorationen aus der Mode, weil sich Bräuche und Geschmäcker deutlich veränderten. Ab den 1880er Jahren wurde eine Vielzahl an Holzdekorationen verkauft und fand ihren Weg in private und öffentliche Sammlungen überall auf der Welt. Heute finden sie sich in Nordamerika, Europa, Nordafrika und in Fernost.

Einige der abgebauten Räume blieben jahrzehntelang eingelagert und wurden nach dem Kauf nie aufgearbeitet. Solche Umstände können für die Ajami-Tafeln sehr vorteilhaft sein, da so ihre kostbare Originaloberfläche erhalten blieb und nicht übermalt oder renoviert wurde.

Die größte Herausforderung bei der Restaurierung besteht darin, herauszufinden, welche Materialien die alten Meister bei den entsprechenden Objekten verwendet haben. Häufig handelt es sich um eine Kombination aus wasserlöslichen Materialien, Blattmetallen und Metallfolien, farbigen Lackschichten und verschiedenen Farbschichten. Einige dieser Materialien reagieren stark auf Wasser, andere sind extrem empfindlich gegenüber Lösungsmitteln. Daher müssen Restauratoren genau wissen, welche Bereiche und Farben mit welcher Methode oder mit welchem Material behandelt werden können.

Nach der Analyse der Materialien ist der zweite Schritt oft die Festigung der abblätternden Farbschichten. Die Bemalung wird mit der Zeit brüchig und verliert ihre Haftung auf dem Holzuntergrund. Zu diesem Zweck wird ein speziell aus der Fischblase eines Störs angefertigter Leim vorbereitet und zum Wiederbefestigen der abblätternden Farbschichten genutzt. Der nächste anspruchsvolle Schritt ist die Reinigung der aufwändig bemalten Oberflächen. Häufig müssen Lack- und Klebstoffschichten entfernt werden, ohne die ursprünglichen Oberflächen zu beschädigen. Das Ergebnis ist die Mühe wert, da so Farben und Details enthüllt werden, die jahrzehntelang unter Schmutz, Firnis oder Ruß verborgen waren.

Oft sind die jahrhundertealten Lack- und Farbschichten auf den Tafeln gealtert, ausgeblichen oder nachgedunkelt. Durch diese Veränderungen ist oft das Gesamtbild beeinträchtigt, und die klaren Farben und Formen sind unterbrochen. Eine moderne Restaurierung zielt nicht darauf ab, die Tafeln komplett zu übermalen oder neu zu lackieren. Vielmehr ist es das Ziel, nur die Fehlstellen mit einer Farbe aufzufüllen, die sich leicht entfernen lässt, sollte dies in Zukunft notwendig werden. Eine weitere wichtige Frage ist, wie viele und welche Schäden ausgebessert werden sollten. Wird jede noch so kleine Beschädigung ausgebessert, sehen die Tafeln nicht mehr alt aus. Die Aufgabe des Restaurators besteht also darin, nur so viel auszubessern wie unbedingt notwendig und so wenig wie möglich. Darüber hinaus werden nur solche Schäden ausgebessert, bei denen die ursprüngliche Farbe und Form noch klar erkennbar ist. Ein Restaurator sollte aus Respekt vor den alten Meistern Verlorenes nicht neu erfinden.

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