von Rania Kataf

Egal, ob Sie die Altstadt vom östlichen römischen Tor Bab Sharqi, abwärts der längsten, erhalten gebliebenen historischen Straße in Alt-Damaskus, die als “Gerade Straße” bekannt ist, betreten oder zu Fuß die Midhat Pasha-Route vom Westen aus durch das Bab al-Jabiyah-Tor nehmen; oder aus Bab al-Saghir, dem kleinsten der sieben antiken Tore von Damaskus, kommen; Sie werden feststellen, dass alle Straßen zum Souq al-Bzouriyyeh führen. 

Man kann sich von der Großartigkeit des überdachten Souqs, der mit Menschen gefüllt ist, die diese gepflasterten Straßen täglich aufsuchen, um den berühmten Souq al-Bzouriyyeh zu besuchen, nur verzaubert fühlen. Der Souq war jahrzehntelang ein Handelszentrum, das in der Vergangenheit auch als Souk al-Kameh (der Weizen-Souq) und Souq al-Attarin (die Parfümerie) bekannt war. Er erhielt seinen heutigen Namen vom Wort “bzour” und bezieht sich auf die Samen, die unbegrenzte Auswahl an Gewürzen, Kräuterheilmitteln und sonstigen örtlichen Produkten, die in seinen Geschäften und Khans verkauft werden.

Man benötigt nicht wirklich eine Landkarte, um Souq al-Bzouriyyeh zu finden. Ihre Sinne führen Sie oft dorthin: Man wird von der Kombination der Aromen und Farben, der Stimmen der verhandelnden und lachenden Frauen und der Männer, die um ihre Produkte werben, angezogen. Ihre Augen erfassen und verfolgen das Licht, das am Ende der überdachten Straße, die viele als Spaziergang zur Tür des Himmels beschreiben, scheint. All diese sinnlichen Erfahrungen zeigen an, dass man im Souq endgültig angekommen ist. Man kann nicht entlang des Souqs spazieren, ohne sich vorzustellen, wie in antiken Zeiten feine Erzeugnisse über die Seidenstraße in Karawanen den Weg in diesen Souq fanden, während jede Einatmung der würzigen frischen Luft von Damaskus die Lungen durchströmt. All die Details, die man hört, fühlt, sieht, schmeckt und riecht, heben diesen besonderen Souq von den restlichen Souqs der Altstadt in Syrien ab. Als großes Zentrum für Lebensmittel ist er der “Bzour” oder die Keimzelle aller verzweigten Märkte in der Altstadt – das Herzstück, das alle anderen mit Leben füllt.

Falls Sie ein Einwohner von Damaskus sind, werden Sie bemerken, dass viele Aspekte und Stadien Ihres Lebens in irgendeiner Weise mit diesem Ort verknüpft sind. Sie werden sich daran erinnern, wie Ihr Großvater Ihnen Süßigkeiten aus dem Bzouriyyeh kaufte und vor dem Schultor wartete, um Sie mit einem Lächeln zu begrüßen und dabei alle Farben und Aromen von Süßigkeiten, die ein alter Mann tragen kann, in seinen Händen trug. Sie könnten zudem die Monate und Jahreszeiten anhand der Früchte, Gemüsesorten, Nüsse und Samen erkennen, die außerhalb der Geschäfte ausgestellt sind, oder anhand der Produkte, die von traditionell gekleideten ländlichen Frauen verkauft werden, die alles verkaufen, das ihnen ihr Land zu diesem Zeitpunkt des Jahres geschenkt hat. Sie werden feststellen, dass irgendwo in der Nachbarschaft eine Hochzeit ansteht, während Sie beobachten, wie der Besitzer des Süßwarengeschäfts handgefertigte, geschmückte Stühle, genannt Sabat al-Aroos (der Korb der Braut), mit Kerzen und Süßigkeiten für die Braut zur Aufbewahrung während ihrer Flitterwochen dekoriert. Dies ist eine Tradition, die jahrzehntelang von der Gesellschaft von Damaskus, insbesondere von der Familie der Braut, praktiziert wurde, um dem Paar lebenslanges Glück und süße Freude zu wünschen. 

Die Zeitlosigkeit, die in jeder fortwährenden Tätigkeit, die innerhalb dieses Souqs stattfindet, existiert, besteht in der Schaffung dieses Platzes im Ganzen, jenseits von Mensch und Architektur. „Das einzigartigste Merkmal des Souq al-Bzouriyyeh ist die Tatsache, dass er sich seit seinem Aufbau nicht verändert hat. Die meisten Geschäfte gehören noch immer den ursprünglichen Händlerfamilien, etwas, das man heute sonst nirgendwo in Damaskus findet“, sagt Ahmad Nael al-Haffar, ein Fabrikbesitzer in Bzouriyyeh. Nur einige Geschäfte weiter hat Abu Muhammad Soubhi al-Sadat im Gegensatz dazu eine völlig andere Meinung darüber: „Vieles hat sich geändert, und ich wünschte wirklich, dies wäre nicht geschehen. Wir stellen weniger von den Produkten her, die diesem Teil des Souqs ursprünglich ihren Namen gaben: Die Parfümerie“. Soubhis Beruf ist die Rosenpressung, das Verfahren zur Gewinnung von Rosenöl, um natürliche Parfüme und Düfte zu kreieren. Dieses Verfahren war als Meisterhandwerk bekannt, das mit der Stadt Damaskus weltweit assoziert wurde. Heute droht dieses Handwerk auszusterben. 

Lokal hergestellte Parfüms zum Verkauf in Suq al-Buzuriyya, Fotografie: (© Rania Kataf CC-BY-NC-ND)

Als ich erstmalig über den Souq schrieb, fing ich wie folgt an: “Wenn Eid ein Parfüm wäre, wäre es Souq al-Bzouriyyeh.” Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals in der Altstadt unterwegs war, ohne an diesem Souq vorbeizugehen, und ich tat dies nie, um Lebensmitteleinkäufe zu tätigen, sondern aus Freude. Orte und Augenblicke, die wir erfahren, wecken Erinnerungen aus alten Zeiten und lassen diese wieder aufleben – dies ist genau das, was Souq al-Bzouriyyeh bei mir auslöst. In einer Zeit des Verlustes und der Hinterfragung der Identität und der Zukunft ist die Fähigkeit, die Vergangenheit in jedem feinen Element dieses Souqs zu spüren, für mich wahrlich eine Botschaft der Kontinuität – als wenn die Erinnerungen derjenigen, die in genau diesem Raum existiert haben, in diesem Souq herausdestilliert und bewahrt wurden, wie ein Duft in einer Parfümflasche. 

ِAutorenschaft von Rania Kataf

Rania Kataf ist eine in Damaskus lebende Künstlerin, die die Erinnerung der Stadt durch Geschichten und Fotografien dokumentiert. Mit ihrer Facebookgruppe ´Humans of Damascus´ versucht sie, Damaszener in diesen Prozess online einzubinden.

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