Hintergrund

Der seit mehreren Jahren andauernde Krieg in Syrien hat zu einer Katastrophe mit Hunderttausenden von Opfern und Millionen von Flüchtlingen geführt. Er hat das reiche kulturelle Erbe Syriens in Mitleidenschaft gezogen und in unterschiedlich gravierender Weise beschädigt oder zerstört.

Die überregionale Bedeutung der Kulturlandschaft Syriens zeigt sich u.a. in den sechs syrischen UNESCO-Weltkulturerbestätten: den Altstädten von Aleppo, Bosra und Damaskus, den Ruinen von Palmyra und den Toten Städten, den Burgen Krak des Chevaliers und Qalʿat Salah ad-Din. Zwölf weitere Stätten stehen auf der Vorschlagsliste für den Welterbestatus, darunter die bronzezeitliche Stadt Ugarit, die Wasserräder in Hama, die Reste der abbassidischen Stadt Raqqa-Rafiqa. Diese einzigartigen Stätten sind ebenso wie die ganze syrische Kulturlandschaft akut bedroht.

Zur Kulturlandschaft Syriens gehört auch ein vielfältiges immaterielles Kulturerbe mit alten Handwerkstraditionen, Musik und einem von Toleranz geprägten multireligiösen und multiethnischen Zusammenleben. All dies ist in Gefahr verloren zu gehen.

 

Ziele

Bislang fehlt für das syrische Kulturgut ein übergreifendes digitales Register. Verschiedene syrische und internationale Initiativen arbeiten daran, die zahlreichen Forschungsdaten, die im Rahmen archäologischer und kunsthistorischer Projekte in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt wurden, zusammenzustellen und für ein nationales Register Syriens zu erschließen.

2013 gründete das Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin und das Deutsche Archäologische Institut (DAI) das „Projekt zur Erstellung digitaler Kulturgüterregister für Syrien“. Dieser ursprüngliche Titel wurde bald durch die kürzere englische Formulierung „Syrian Heritage Archive Project“ abgelöst. Dessen heute geläufige Abkürzungen sind SyrHer und SHAP. Das Projekt wird seit Beginn durch das Auswärtige Amt im Kulturerhalt-Programm finanziert.

Die hier vorliegende Website liegt in der Verantwortung des Teilteams am Museum für Islamische Kunst.

Die ausführliche Dokumentation des kulturellen Erbes Syriens schafft die Basis für eine Erfassung der erfolgten Zerstörungen und für mögliche spätere Wiederherstellungsmaßnahmen. Für eine zukünftige nationale Aussöhnung kann das Wissen um das gemeinsame kulturelle Erbe zu einem wichtigen Baustein werden.

 

Monitoring

Das Syrian Heritage Archive Project sammelt in systematischer Art und Weise Informationen und Fotos zur Zerstörung von Gebäuden, insbesondere historisch wertvolle Monumente. Diese werden in einer eigenen Datenbank mit dem Ziel einer Kartierung und Bewertung für spätere Wiederherstellungsmaßnahmen dokumentiert. Dies erfolgt in gemeinschaftlicher Arbeit mit syrischen und weltweiten Initiativen.

 

 

Nachtrag

Raubgrabungen im ganzen Land verursachen nicht wiederherstellbare Schäden. Die Fundplätze – oft archäologisch bedeutende Orte wie u.a. das hellenistisch-römische Apamea am Orontes – werden auf der Suche nach antiken Objekten systematisch durchwühlt. Dabei zerstören die Raubgräber die Schichtenabfolge, die für die Rekonstruktion vergangener Lebenswelten notwendig ist – diese kulturellen Wissensspeicher gehen dabei für immer verloren. Die dabei zu Tage tretenden Artefakte werden zu hohen Preisen auf dem internationalen Kunstmarkt verkauft.