Nachlass Eugen Wirth

Der ehemalige Direktor des Instituts für Geografie der Universität Erlangen-Nürnberg und Doyen der deutschen Orientgeografie vermachte seinen Nachlass dem Museum für Islamische Kunst. Seine frühesten Fotos stammen aus dem Jahr 1953. Schwerpunkt des fotografischen Konvoluts von Eugen Wirth liegt auf landschaftlichen und städtebaulichen Gegebenheiten. Auf seinen ausgedehnten Forschungsreisen hat er beinahe alle damals bekannten historischen Orte und Kulturdenkmäler Syriens abgelichtet und so in ihrem räumlichen Zusammenhang dokumentiert. Diese Gesamtdokumentation stellt ein bedeutsames und besonderes Zeugnis des syrischen historischen Erbes dar.


Nachlass Michael Meinecke

Bis zu seinem frühen Tod 1995 war Michael Meinecke Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, zuvor hatte er die Außenstelle Damaskus des Deutschen Archäologischen Instituts gegründet. Unter seiner Leitung wurde die historisch bedeutende Residenzstadt Raqqa freigelegt. Schwerpunkt des wohlgeordneten fotografischen Nachlasses von Michael Meinecke ist die Architektur der historischen Moscheen, Medressen, Mausoleen und Brunnen Syriens. Sein besonderes Augenmerk galt ihrem kunsthistorischen Wert, dem Baudekor und den Bauinschriften. Sein Werk „Die mamlukische Architektur in Ägypten und Syrien“ von 1992 setzt bis heute Maßstäbe.


Archiv Michael Meinecke zu Raqqa

Diese umfassende Dokumentensammlung ist eng mit der Arbeit von Michael Meinecke verknüpft, welcher die langjährigen Ausgrabungen der frühabbasidischen Palaststadt Raqqa leitete. Das Raqqa-Archiv gehört dem Deutschen Archäologischen Institut und lagert als Dauerleihgabe am Museum für Islamische Kunst. Es umfasst eine umfangreiche Fotothek mit über 4000 beschrifteten Schwarz-Weiß-Fotokartons, das Planarchiv mit 500 Originalplänen und die komplette schriftliche Dokumentation aus 12 Grabungskampagnen. Fast alle darin dokumentierten Gebäude sind heute überbaut und nicht mehr sichtbar. Zu diesem Archiv gehören auch Materialien über Architekturzeugnisse der Großregion Raqqa.


Sammlung und Datenbank Stefan Weber

Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst, lebte und arbeitete jahrelang als Islamwissenschaftler und Kunsthistoriker in Syrien und im Libanon. Seine Sammlung und Datenbank umfasst 120.000 Fotos zur Baugeschichte der gesamten Region. Über die syrische Hauptstadt Damaskus, wo er von 1996–2001 am Deutschen Archäologischen Institut forschte, schrieb er ein Grundlagenwerk zur spätosmanischen Stadtbau- und Architekturgeschichte als Zeugnis kulturellen Wandels und gesellschaftlicher Entwicklung. Er leitete Restaurierungs- und Museumsprojekte vor Ort. Für das Berliner Museum vertritt er einen stark praktischen Ansatz, um der gesellschaftlichen Verantwortung sowie dem Schutz und der Bewahrung von Kulturerbe gerecht zu werden – eine von vielen diesbezüglichen Initiativen ist das Syrian Heritage Archive Project.


Sammlung Julia Gonnella

Die Direktorin des Museum of Islamic Art in Doha/Qatar Julia Gonnella stellt dem Syrian Heritage Archive Project Teile ihrer umfangreichen Fotosammlung mit besonderem Fokus auf der Altstadt von Aleppo und weiteren Orten Nordsyriens zur Verfügung. Entstanden ist diese über mehrere Jahrzehnte reichende Dokumentation insbesondere in Zusammenhang mit ihrer Dissertation zur islamischen Heiligenverehrung in Aleppo und ihren Forschungsarbeiten zum Berliner Aleppo-Zimmer im Museum für Islamische Kunst in Berlin. Von 1996 bis 2011 leitete sie den islamischen Teil der syrisch-deutschen Ausgrabungen auf der Zitadelle von Aleppo. Julia Gonnella hat zahlreiche Bücher und Artikel über islamische Kunst und Architektur veröffentlicht.


Sammlung Karin Pütt

Eine Dokumentation der traditionellen Architektur der Dörfer Nordostsyriens und des Euphrattals liefern die fast 5000 Fotos der Bauhistorikerin Karin Pütt. Entstanden aufgrund intensiver Forschungsreisen im Rahmen ihrer Dissertation zwischen 1983 und 2000 geben sie einen Überblick über die Verschiedenheit der Hausformen dieser Großregion. Die Ursprünge liegen in der Zeltarchitektur sich ansiedelnder Nomaden, im mindestens 5000 Jahre alten Kragkuppelbau und in ländlichen Ausformungen spätosmanischer Wohnhäuser. Die Fotosammlung beleuchtet auch die Nutzung dieser Häuser und das Alltagsleben ihrer Bewohner. Diese einzigartigen, im Verschwinden begriffenen Zeugnisse materieller und immaterieller Kultur beruhen auf Karin Pütt Dissertation und sind Gegenstand mehrerer Publikationen.

Karin Pütt hat das Syrian Heritage Archive seit 2013 mit aufgebaut.


Rami Alafandi

Der aus Aleppo stammende Archäologe Rami Alafandi promoviert über „Designs and Motifs of Polychrome Wooden Panelling (‘ajami) of Aleppine Houses During the Ottoman Period“ an der Architekturfakultät der internationalen Islamischen Universität in Malaysia. Sein Interesse an Aleppiner farbigen Wand- und Deckenvertäfelungen entstand durch ein freiwilliges Engagement bei Restaurierungsarbeiten am Haus Ghazala; dieses Haus wurde durch die Kämpfe in Aleppo teilweise beschädigt. Seine Sammlung von fast 7000 Fotos entstanden zwischen 2004 und 2010, umfasst historische Gebäude in Aleppo und viele andere archäologische Stätten in Syrien.

Seit 2018 gehört Rami Alafandi zum Aleppo-Team des Syrian Heritage Archive Project. Dadurch hat er die Möglichkeit, im Museum für Islamische Kunst in Berlin, am sogenannten „Aleppo-Zimmer“ zu arbeiten. Die Wandvertäfelung in diesem Empfangsraum ist eine der ältesten und besterhaltenen syrisch-osmanischen aus Holz.


Marwan Musalmani

Der syrische Fotograf Marwan al-Musalmani (1935 – 2013) hinterließ ein sehr umfangreiches Werk über das syrische Kulturerbe. Von 1958 bis 1995 leitete er die Fotoabteilung der Generaldirektion der syrischen Antikenverwaltung (DGAM) in Damaskus und begleitete die bedeutendsten archäologischen Grabungen fotografisch, u.a. in Ugarit, Ebla, Mari und Palmyra. Anlässlich seiner Ausstellung mit dem Titel „Das Rollsiegel in Syrien: Zur Steinschneidekunst in Syrien zwischen 3300 und 330 v. Chr.“ in Tübingen, wurde ihm 1968 die Ehrendoktorwürde verliehen. Während der 1980er und 1990er Jahre resultierten aus seiner fotografischen Arbeit viele Ausstellungen weltweit, womit er wesentlich zu einem veränderten Bild über die Geschichtsträchtigkeit Syriens beitrug.

Auch die Ausstellung  „Islamische Architektur in der Syrischen Arabischen Republik“ im Museum für Islamische Kunst im Jahr 1981, zeigte einen kleinen Ausschnitt seiner umfangreichen Arbeit.

Er gründete die Syrische Fotografische Gesellschaft in Damaskus.


Issam al-Hajjar

Der Fotodokumentarist und Archivar Issam al-Hajjar arbeitet seit 2015 im Team des Syrian Heritage Archive Project in Berlin und ist für die digitalen Sammlungen verantwortlich.

Seine Leidenschaft für Fotografie begann mit 18 Jahren, als er feststellte, dass die Postkarten seiner Heimatstadt Damaskus nicht das Bild der Stadt zeigten, wie er sie sah; so begann er dokumentarisch, zu fotografieren. Am Institut Français du Proche-Orient (vormals IFEAD) in Damaskus organisierte er das Fotoarchiv neu und war an Forschungsprojekten im Rahmen des „Atelier de Vieux Damas“ beteiligt.

Seine eigene Sammlung umfasst mehr als 100.000 Fotos aus ganz Syrien, mit Schwerpunkt auf dem Natur- und Kulturerbe. Besonders widmete er sich dem erweiterten Damaszener Umland und seinen kaum bekannten Monumenten und Naturlandschaften. Die über drei Jahrzehnte entstandene mehrbändige Foto-Dokumentation ist bislang unveröffentlicht.


 

Aus den museumseigenen Sammlungen konnten historische Mittelformat-Glasdias über Syrien vom Anfang des 20. Jh., vorwiegend von Friedrich Sarre, Gründungsdirektor des Museums für Islamische Kunst, gescannt werden. Ebenfalls zu diesen Beständen gehören Fotos von Oscar Reuther, Kurt Erdmann, Marwan Musalmani, Edda Müller und anderen.

Von syrischen Sammlern ins Archiv eingebrachte große Konvolute werden zu einem späteren Zeitpunkt hier vorgestellt werden.