1. Die Kunst der syrischen Textilherstellung
  2. Ein Filzteppich von al-Bab
  3. Die Fäden des Lebens: Syrische Textilornamente
  4. Verborgene Persönlichkeiten: Die Frauen aus Duma
  5. Die Farbe, die ewig währt: Textildruck in Syrien
  6. Von Tieren und Pflanzen: Rohmaterialien für Textilien
  7. Ein Blick in die Welt des syrischen Seidenbaus
  8. Einblicke in das jahrhundertealte Seidenhandwerk Syriens
  9. Was bleibt von der Seidenstraße?
  10. Menschen der Wüste: Die Kleidung der Beduinen
  11. Teppiche aus Raqqa: Eine Erinnerung
  12. Traditionelle Textilherstellung: eine gefährdete Tradition
  13. Unvergessen: Der Duft der Erinnerung

von Rania Kataf

Über Hunderte von Jahren durchquerten Reisende der Seidenstraße syrische Handelsstädte. Eine der Geschichten, die sie von ihren Reisen mit nach Hause brachten, handelte von breitschultrigen Männer, die Farbstoff herstellten und auf den Dächern ihrer Häuser oder Khans Seide und andere Stoffe färbten. Das Färben von Seide, heute ein aussterbendes Handwerk, war eine der bekanntesten Fertigkeiten der Handwerker von Damaskus; das primäre Stück, aus dem die Textilhandwerker der Stadt den weltweit bekannten Damaszener-Brokat herstellten. Aber ist dies alles nun Geschichte? Die erste Frage, die mir durch den Kopf ging, als ich Mohamad Rihawi, den letzten Seidenfärber in Damaskus, traf, war: „Was würde mit dem einst so berühmten Seidenhandwerk geschehen, wenn Sie aus irgendeinem Grund aufhören, Seide zu färben?” Mit gedämpfter Stimme antwortete Rihawi nach einigem Zögern: „Ich habe versucht, meinem Sohn das Geheimnis dieses Handwerks beizubringen, aber wenn Sie Seide mit bloßen Händen färben möchten, müssen Sie die Seide und den Farbstoff fühlen und verstehen können. Das kann nicht gelehrt werden. Sie können niemandem beibringen, wie man das Material, mit dem man arbeitet, liebt und eine Leidenschaft dafür empfindet. Ich bin wie verliebt in das was ich tue. Diese Arbeit erfordert viel Geduld und Kraft. Sie ist in jedes Stück meines Gehirns und meiner Seele eingraviert”.

Mohamad Rihawi, der letzten Seidenfärber in Damaskus, erzählt von seiner Arbeit (© Rania Kataf – CC-BY-NC-ND)

Laut Rihawi lieferte Draykish, eine Stadt zwischen der heiligen Stadt Tartous und der Stadt Homs, die beste Seidenqualität, mit der jeder Färber arbeiten wollen würde. Wie Rihawi es beschreibt, hat sie einen besonderen Schimmer, mehr als jede andere Seide, mit der er zuvor gearbeitet hat, sogar die aus China. Bis 2009 war in Draykish verarbeitete Seide der Hauptrohstoff für die Herstellung des berühmten Damaszener Brokats, der traditionellen hand- oder maschinengewebten Seide mit Gold- oder Silberfäden. Heutzutage, mit der Schließung der Seidenfabrik in Draykish, wird diese einzigartige Faser durch chinesische Seide ersetzt. „Und das hat alles verändert“, sagt Herr Rihawi, „der Farbstoff hat nicht die gleiche Wechselwirkung mit der chinesischen Seide, er erkennt, dass es sich um einen Fremdkörper handelt.”

Seidenfäden werden in kochendem Wasser blau gefärbt. Dieser Prozess wird mehrere Male wiederholt bis die Seide die blaue Farbe vollständig aufgenommen hat
Nachdem die gefärbte Seite mit kalten Wasser abgewaschen wurde, wird sie zum Trocknen aufgehangen

Seidenfäden werden in kochendem Wasser blau gefärbt. Nachdem die gefärbte Seite mit kalten Wasser abgewaschen wurde, wird sie dann zum Trocknen aufgehangen © Rania Kataf (CC-BY-NC-ND)

Die Seidenstraße spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Seidenhandwerks und den damit verbundenen Färbemethoden, insbesondere für die Stadt Damaskus. Mohamad Rankous, ein Brokathersteller aus Damaskus, ist sich sicher, dass die Bewohner der Stadt aufgrund dieser Rolle von Damaskus eines der verwendeten Pigmente nach der Stadt benannt haben: al-Azraq al-Shami oder Damaszener Blau. Dieses blaue Pigment habe eine einzigartige Beziehung zur Identität der Stadt. „Für uns Damaszener ist Damaskus ein Himmel auf Erden, ein Spiegelbild des wahren Himmels hinter diesem blauen Firmament. Aus diesem Grund trägt dieses Pigment diesen Namen”, erklärt Rankous, während er schwärmerisch in den Himmel blickt.


Rania Kataf ist eine in Damaskus lebende Künstlerin, die die Erinnerung der Stadt durch Geschichten und Fotografien dokumentiert. Mit ihrer Facebookgruppe ´Humans of Damascus´ versucht sie, Damaszener in diesen Prozess online einzubinden.

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